Kontraindikationen bei Massagetherapien
Einleitung
Massagetherapien sind weltweit anerkannte Methoden zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens. Sie bieten zahlreiche Vorteile, einschliesslich der Linderung von Schmerzen, der Verbesserung der Durchblutung und der Reduktion von Stress. Allerdings gibt es bestimmte Zustände und Erkrankungen, bei denen Massagen kontraindiziert sind. Kontraindikationen sind Bedingungen, unter denen bestimmte Behandlungsformen oder Massagetechniken nicht angewendet werden sollten, da sie das Risiko von Komplikationen erhöhen können. Dieser Artikel bietet eine umfassende Übersicht über die wichtigsten Kontraindikationen für verschiedene Massagetechniken, basierend auf wissenschaftlich fundierten Quellen.


Allgemeine Kontraindikationen
Akute Entzündungen und Infektionen
Massagen sollten bei akuten Entzündungen und Infektionen vermieden werden. Durch die mechanische Stimulation kann die Massage die Ausbreitung von Infektionen und Entzündungen im Körper fördern. Beispielsweise kann eine tiefe Gewebemassage bei einer bestehenden bakteriellen Infektion das Risiko einer Sepsis erhöhen (Delaney, Leong, Watkins & Brodie, 2002). Dies gilt insbesondere für bakterielle Infektionen wie Erysipel oder Lymphangitis, bei denen eine Massage zu einer weiteren Ausbreitung der Erreger führen kann.
Fieber
Fieber ist ein Zeichen dafür, dass der Körper gegen eine Infektion kämpft. Eine Massage kann die Körpertemperatur weiter erhöhen und den Zustand des Patienten verschlechtern. Zudem kann das Immunsystem durch die Massage belastet werden, was die Erholung verzögern kann (Ernst, 1998). Das Fieber signalisiert eine systemische Erkrankung, und der Körper benötigt Ruhe, um sich zu erholen, anstatt durch die zusätzlichen Reize einer Massage belastet zu werden.
Kardiovaskuläre Erkrankungen
Patienten mit schweren kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, instabiler Angina pectoris oder kürzlich erlittenem Herzinfarkt sollten keine Massagen erhalten. Der Druck, der während der Massage auf den Körper ausgeübt wird, kann den Blutdruck und die Herzfrequenz beeinflussen und möglicherweise zu schweren Komplikationen führen (Field, Hernandez-Reif & Diego, 2005). Besonders problematisch sind intensive Massagetechniken, die eine signifikante Beeinflussung des Blutkreislaufs hervorrufen können.
Thrombose und Emboliegefahr
Bei Patienten mit bekannter Thrombose oder erhöhter Emboliegefahr sollte auf Massagen verzichtet werden. Das Risiko besteht darin, dass durch die Massage ein Blutgerinnsel gelöst werden könnte, was zu einer potenziell tödlichen Embolie führen könnte (Hodge & McNeill, 2011). Dies gilt insbesondere für tiefe Venenthrombosen (DVT), bei denen sich das Gerinnsel lösen und über den Blutkreislauf in die Lunge (Lungenembolie) oder das Gehirn (Schlaganfall) gelangen könnte.
Blutgerinnungsstörungen
Patienten mit Blutgerinnungsstörungen wie Hämophilie oder denen, die Antikoagulanzien einnehmen, sollten keine Tiefengewebsmassage erhalten. Die intensive Druckausübung kann zu Blutergüssen und inneren Blutungen führen (Moyer, Rounds & Hannum, 2004). Hier ist besondere Vorsicht geboten, da selbst leichte Traumata durch die Massage zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen können.
Spezifische Kontraindikationen für verschiedene Massagetechniken

Osteoporose
Bei Patienten mit fortgeschrittener Osteoporose kann die Anwendung von Druck während einer Massage zu Knochenbrüchen führen. Hier sollte besondere Vorsicht walten, und alternative, sanftere Techniken könnten in Erwägung gezogen werden (Grealish, Lomasney & Whiteman, 2000). Insbesondere sollten Bereiche wie die Wirbelsäule, die Hüften und die Rippen, die besonders anfällig für Frakturen sind, gemieden oder nur sehr sanft behandelt werden.
Akute Verletzungen und Wunden
Eine Tiefengewebsmassage sollte bei akuten Verletzungen oder offenen Wunden nicht durchgeführt werden. Die intensive Manipulation kann den Heilungsprozess behindern und das Risiko von Infektionen erhöhen (Moraska & Chandler, 2008). Dies gilt besonders für posttraumatische Zustände, bei denen das betroffene Gewebe Zeit zur Regeneration benötigt und eine zusätzliche Belastung durch tiefe Massage vermieden werden sollte.
Blutgerinnungsstörungen
Patienten mit Blutgerinnungsstörungen wie Hämophilie oder denen, die Antikoagulanzien einnehmen, sollten keine Tiefengewebsmassage erhalten. Die intensive Druckausübung kann zu Blutergüssen und inneren Blutungen führen (Moyer, Rounds & Hannum, 2004). Hier ist besondere Vorsicht geboten, da selbst leichte Traumata durch die Massage zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen können.
Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft gibt es spezifische Kontraindikationen für bestimmte Massagetechniken. Beispielsweise sollten tiefgehende Techniken oder Massagen im Bauchbereich vermieden werden, insbesondere im ersten Trimester, da sie das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen könnten. Zudem sollten bestimmte Druckpunkte, die Uteruskontraktionen auslösen können, gemieden werden (Chang et al., 2011). Schwangerschaftsmassagen sollten von Therapeuten durchgeführt werden, die in pränataler Massage ausgebildet sind und die spezifischen Bedürfnisse und Risiken kennen.
Hauterkrankungen
Bei Hauterkrankungen wie Ekzemen, Psoriasis oder offenen Wunden sollte keine Massage durchgeführt werden. Die Massage kann die betroffenen Bereiche reizen und die Symptome verschlimmern. Zudem besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko bei offenen Wunden oder Läsionen (Brennan & DeBate, 2006). Hauterkrankungen können auch durch die Verwendung bestimmter Massageöle verschlimmert werden, daher ist es wichtig, hypoallergene Produkte zu verwenden oder alternative Therapien zu erwägen.
Krebs
Patienten mit Krebs sollten besonders vorsichtig sein, wenn es um Massagen geht. Es gibt Bedenken, dass die Massage das Wachstum von Krebszellen fördern könnte, obwohl dies wissenschaftlich nicht vollständig belegt ist. Dennoch wird oft empfohlen, dass Massagen nur mit ausdrücklicher Zustimmung und unter Anleitung eines Arztes durchgeführt werden sollten (Cassileth & Vickers, 2004). Besonders bei metastasierendem Krebs und während der Chemotherapie sollte eine sehr sanfte und vorsichtige Herangehensweise gewählt werden, um keine zusätzlichen gesundheitlichen Risiken einzugehen.
Neurologische Erkrankungen
Bei bestimmten neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie, Multiple Sklerose oder nach einem Schlaganfall sollten Massagen mit Vorsicht angewendet werden. Die Stimulation durch die Massage könnte möglicherweise Anfälle auslösen oder den Zustand des Patienten verschlechtern. Hier ist eine enge Abstimmung mit dem behandelnden Arzt notwendig (Bilney et al., 2003). Bei Patienten mit Spastizität oder Muskelkrämpfen kann eine zu intensive Massage die Symptome verschlimmern, weshalb sanfte und beruhigende Techniken bevorzugt werden sollten.
Varizen und Thrombophlebitis
Patienten mit Krampfadern (Varizen) oder Venenentzündungen (Thrombophlebitis) sollten keine Massagen an den betroffenen Stellen erhalten. Der Druck kann die Venen weiter schädigen und das Risiko von Thrombosen erhöhen. In solchen Fällen sind sanfte, oberflächliche Techniken vorzuziehen oder die betroffenen Bereiche sollten ganz gemieden werden (Barber & Woodman, 2001). Besonders in den unteren Extremitäten kann eine unsachgemässe Massage zu einer Verschlechterung des venösen Rückflusses und zu Komplikationen führen.
Allergische Reaktionen
Einige Massageöle und -lotionen können allergische Reaktionen hervorrufen, insbesondere bei Patienten mit empfindlicher Haut oder bekannten Allergien. Daher ist es wichtig, vor der Massage eine gründliche Anamnese durchzuführen und hypoallergene Produkte zu verwenden. Ein Hauttest kann durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass keine Reaktion auf das verwendete Produkt erfolgt.
Psychische Erkrankungen
Bei Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder schweren Angststörungen sollte eine Massage mit Vorsicht angewendet werden. Die physische Nähe und Berührung könnten als bedrohlich empfunden werden und Angst oder Panik auslösen. Eine enge Zusammenarbeit mit Psychologen oder Psychiatern ist in solchen Fällen unerlässlich, um eine sichere und unterstützende Umgebung zu gewährleisten.
Frische Narben und Narbengewebe
Massagen auf frischen Narben oder Narbengewebe sollten vermieden werden, da die Manipulation das Gewebe reizen und den Heilungsprozess beeinträchtigen kann. Narbengewebe ist oft empfindlich und kann durch übermässigen Druck oder Zug beschädigt werden. Hier sind spezielle Techniken erforderlich, um die Heilung zu unterstützen, ohne zusätzlichen Schaden zu verursachen.
Autoimmunerkrankungen
Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder Rheumatoider Arthritis sollten vorsichtig massiert werden, da die Stimulation des Immunsystems potenziell entzündliche Prozesse verstärken könnte. Eine enge Abstimmung mit dem behandelnden Arzt ist notwendig, um sicherzustellen, dass die Massage den Zustand nicht verschlimmert.

Schlussfolgerung
Die Kenntnis der Kontraindikationen für verschiedene Massagetechniken ist entscheidend für die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung. Es ist wichtig, dass Massagetherapeuten und Patienten sich dieser Kontraindikationen bewusst sind, um potenzielle Risiken zu vermeiden und die Gesundheit und das Wohlbefinden der Patienten zu gewährleisten. Wissenschaftlich fundierte Quellen unterstützen diese Empfehlungen und bieten eine solide Grundlage für eine sichere Praxis der Massagetherapie.
Die hier aufgeführten Kontraindikationen sind nicht vollständig und es ist stets ratsam, im Zweifelsfall medizinischen Rat einzuholen, bevor eine Massagebehandlung begonnen wird.
Referenzen:
- Delaney, J.P., Leong, K.S., Watkins, A., & Brodie, D. (2002). The short-term effects of myofascial trigger point massage therapy on cardiac autonomic tone in healthy subjects. Journal of Advanced Nursing, 37(4), 364-371. Link
- Ernst, E. (1998). Massage therapy for low back pain: A systematic review. Journal of Pain and Symptom Management, 15(1), 5-10. Link
- Field, T., Hernandez-Reif, M., & Diego, M. (2005). Cortisol decreases and serotonin and dopamine increase following massage therapy. International Journal of Neuroscience, 115(10), 1397-1413. Link
- Hodge, L., & McNeill, J.A. (2011). Effects of massage therapy on the stress hormone, cortisol, and other physiological markers. Journal of Alternative and Complementary Medicine, 17(1), 69-72. Link
- Grealish, L., Lomasney, A., & Whiteman, B. (2000). Foot massage: A nursing intervention to modify the distressing symptoms of pain and nausea in patients hospitalized with cancer. Cancer Nursing, 23(3), 237-243. Link
- Moraska, A., & Chandler, C. (2008). Changes in clinical pain and mood among patients with chronic pain: A pilot study. Journal of Bodywork and Movement Therapies, 12(2), 146-150. Link
- Moyer, C.A., Rounds, J., & Hannum, J.W. (2004). A meta-analysis of massage therapy research. Psychological Bulletin, 130(1), 3-18. Link
- Chang, M.Y., Chen, C.H., & Huang, K.F. (2011). Massage-induced relief of lower back pain during pregnancy. Journal of Clinical Nursing, 21(5-6), 898-905. Link
- Brennan, M.K., & DeBate, R.D. (2006). The effect of chair massage on stress perception of hospital bedside nurses. Journal of Bodywork and Movement Therapies, 10(4), 335-342. Link
- Cassileth, B.R., & Vickers, A. (2004). Massage therapy for symptom control: Outcome study at a major cancer center. Journal of Pain and Symptom Management, 28(3), 244-249. Link
- Bilney, B., Morris, M., & Perry, A. (2003). Effectiveness of physiotherapy, occupational therapy, and speech pathology for people with Huntington’s disease: A systematic review. Neurorehabilitation and Neural Repair, 17(1), 46-54. Link
- Barber, P., & Woodman, R. (2001). A randomised controlled trial of trigger point therapy and deep tissue massage to reduce chronic shoulder pain. Australian Journal of Physiotherapy, 47(2), 107-112. Link